Interview mit Joachim Krotz, Präsidium Hockey-Liga

Foto: ein schon älteres Foto – Google bietet kein altersgerechtes an…..:)

Vor den Final 4 muss es natürlich noch ein Interview geben – mit einem Präsidiumsmitglied der HOCKEY-LIGA: Joachim Krotz. Offizieller Titel: Mitglied des Präsidiums für Partnerschaften und Sponsoring – wow.

Joachim, welcome to Bonn. Vielleicht stellst Du Dich kurz vor – es kennen Dich ja nicht alle….

Danke für die Einladung, ich komme schon immer gerne nach Bonn, und nicht nur wegen des Hockeysports . . Auf die Welt gekommen und aufgewachsen bin ich in Krefeld, mit Rheinwasser getauft, das vorher natürlich an Bonn vorbei geflossen ist, zur Bundeswehr, Studium und Beruf habe ich mich dann vom Niederrhein wegbewegt. Die meiste berufliche Zeit habe ich in der Strategieberatung bei grossen internationalen Beratungsgesellschaften verbracht, mit einem Unterbruch von 5 Jahren, in denen ich bei einem mittelständischen Chemieunternehmen an der Grenze zwischen Bayern und Österreich angestellt war. Und neben dem Alpin Ski habe ich mein sportliches Leben auf dem Hockeyplatz (und manchmal auf dem Tennisplatz) verbracht – ausgebildet im CHTC, dann während des Studiums Grashoppers Zürich und HC Konstanz, in Atlanta/ Georgia mehrere Jahre als Entwicklungshelfer in Sachen Hockey und nach dem Umzug nach München viele Jahre beim ASV München – seit Ende der sportlichen Karriere nur noch als freiwilliger Funktionär im Hockeysport unterwegs . . . Erst beim Münchner SC, dann bei der Hockeyliga . . .

Frage 1: Im Juni findet ja die nächste Bundesligaversammlung in Bochum statt. Angesetzt sind 3 Stunden. Das bedeutet ja für ganz viele Vereine: An- und Rückreise doppelt so lang wie die Sitzung. Als Berater müsste dein Tip an die Vereine sein: da lohnen sich Ertrag und Aufwand nicht – besser zu Hause bleiben??

Eine klare Fangfrage eines investigativen Journalisten !!!! Obwohl wir alle mittlerweile in den letzten Jahren gelernt haben, virtuell zusammen zu setzen, zu diskutieren und auch Entscheidungen zu treffen, bin ich der Meinung, dass man sich einmal im Jahr persönlich treffen und austauschen sollte. Der Grund ist sicher nicht nur das Durch- und Abarbeiten der Agenda, sondern diese Versammlungen leben auch von den vielen Gesprächen und Begegnungen vor dem Meeting, während der Pausen und auch danach – nicht alle fahren ja direkt, nachdem der Versammlungsleiter die Sitzung für beendet erklärt hat, nach Hause, sondern verweilen noch ein paar Minuten. . . . Von diesen Treffen ernährt sich die Weiterentwicklung des Hockeysports in Deutschland

Frage 2: Aufwand und Ertrag könnte man auch an den Anträgen messen. Insgesamt 10 Anträge und man fragt sich: haben die Vereine keine anderen Probleme?? Auffällig da besonders Dein Heimatverein, der einen grandiosen Antrag gestellt hat – Stichwort: Hell-Dunkel-Unterschied der Spielkleidungen. Sollte der bei einem Stream zu gering sein, soll jetzt die Gastmannschaft die Spielkleidung wechseln statt vorher die Heimmannschaft. Oder soll der Antrag unter dem Stichwort „Rheinischer Humor“ behandelt werden??

Es steht mir nicht zu, Anträge der einzelnen Mitgliedsvereine zu bewerten. Und ich bin überzeugt, dass meine Kollegen aus dem Präsidium das ähnlich sehen. Allen Mitgliedern steht es frei, Anträge zu stellen, von denen sie überzeugt sind, dass sie einer Regelung bedürfen. Auch wenn sie aus Sicht der anderen Vereine fragwürdig sein könnten, aber für die Diskussion und die Abstimmung über solche Anträge gibt es eben die Mitgliederversammlung. Wir haben bewusst kein Quorum für die Antragstellung in unserer Satzung vorgesehen, so dass jeder Verein einen Antrag (oder auch mehrere) einbringen kann. Darüber wird dann abgestimmt. Diese Regelungen mögen bei dem einen oder anderen Bauchschmerzen erzeugen, aber ich halte das für eine legitime demokratische Regelung.

Frage 3 :Dein ‘Titel’ als Präsidiumsmitglied klingt ein bisschen wie mehr Schein als Sinn. Um es für den Leser etwas transparenter zu machen: Du bist für die Finanzen zuständig. Wie geht es da der LIGA??

Das „Mehr Schein als Sein“ muss ich natürlich zurückweisen, bei der Aussage kommt wohl die polemische Seite des investigativen Journalisten durch . . . Und wir haben ein Präsidiumsmitglied, das für Finanzen zuständig ist, Sportsfreund Marco aus Hannover, der ist Banker und kann mit Finanzen besser als ich umgehen . . . Mein Aufgabenbereich umfasst das Einwerben, Weiterentwickeln und die Pflege von Partnerschaften und Sponsoren, und das ist schon herausfordernd genug. Natürlich hat dieser Aufgabenbereich Auswirkungen auf die Finanzen. Diese haben sich in der letzten Zeit verbessert, auch dank der personellen Verstärkungen, die wir auf der Geschäftsstelle vorgenommen haben und natürlich aufgrund der Erfahrungen aus den letzten Jahren. Die Aufbauarbeit – im Bereich Finanzen – zieht sich zwar länger hin, als ursprünglich erwartet, aber ich sehe unsere Finanzen solide aufgestellt. Aus heutiger Sicht, die Betonung liegt auf „aus heutiger Sicht“, können wir auf eine erneute Umlage verzichten. Das wird sicherlich auch eines der Hauptthemen auf der Mitgliederversammlung in Bochum sein. Dort werden wir die finanzielle Situation im Detail erläutern können und selbstverständlich alle aufkommenden Fragen umfassend beantworten. Was uns natürlich fehlt, ist der Liga Sponsor, der uns über mehrere Jahre mit einem signifikanten Betrag unterstützt. An der Gewinnung dieses Partners arbeiten wir, es gibt einige erfolgversprechende Ansätze, allerdings: Unter anderem die nicht besonders erfreuliche wirtschaftliche Situation erschwert die Generierung von langfristigen Partnerschaften. Das soll jetzt keine Ausrede sein, aber auch jeder unserer Mitgliedsvereine spürt tagtäglich, wie schwierig es ist, Partnerschaften und auch Sponsoren aufzubauen. Und wir haben gemeinschaftlich entschieden, dass wir auf ein reines Mäzenatentum verzichten wollen, um uns nicht abhängig von Personen zu machen.

Frage 4: Punkt 9 der Tagesordnung: Finanzen – Vorstellung Jahresabschluss, Verabschiedung des Plans 26/27. Die Unterlagen werden ja wie immer bei Euch anscheinend am Tag der Versammlung vorgelegt – den Trick kennt man ja auch von anderen Vereinen. Da könnte man vermuten….. Im BTHV ist der Abschluss immer 2 Wochen vor der MV für die Mitglieder einsehbar.

Es handelt sich um gar keinen Trick und ich spüre bei dieser Aussage eine gewisse Unterstellung, dass die Hockeyliga etwas verheimlichen möchte oder unsere Finanzen nicht stimmen. Dem ist natürlich nicht so. Der Bericht der Kassenprüfer, die Bilanz und die G & V werden zwei Wochen vor der Mitgliederversammlung verschickt. Das ist gelebte Praxis, und zum Beispiel beim Münchner SC nicht anders. Also Ruhe bewahren, den Zahlen, die wir verschicken werden, ist zu entnehmen, dass die Hockey Liga finanziell solide aufgestellt ist. Noch ein Hinweis: Die Umstellung von der einfachen Einnahmen -/ Überschussrechnung auf die doppelte Buchführung erfolgte vor einiger Zeit und erleichtert die Beurteilung der Finanzen durch die Mitglieder.

Frage 5: Es wird ja anscheinend immer schwieriger, Ausrichter der Final 4 zu finden. Es kann nicht Sinn sein, dass ein Verein in 6 Jahren 3x Ausrichter ist. Hat man nicht mal an feste Austragungsorte gedacht, die schon eine Tribüne haben,z.B. Mannheim oder MG. Das würde massiv Kosten sparen und sicher manches einfacher machen??

Zugegebenermaßen kann ich auch nicht nachvollziehen, warum sich kaum ein Verein als Ausrichter bewirbt. In diesem Jahr hatten wir nur einen Bewerber, und das war der Bonner THV. Natürlich bietet sich Mönchengladbach als Austragungsort an, nur gibt es da einige Herausforderungen. Einerseits ist der Hockey Park auf Jahre hinaus ganz gut ausgebucht, und wir haben ja nur einen geringen Spielraum in der Wahl unserer Termine für das Final Four. Das ist auch dem internationalen Kalender geschuldet. Andererseits ist es auch eine Kostenfrage, die Anmietung des Hockey Parks ist nicht günstig. Und drittens sehe ich nicht, dass wir in den nächsten Jahren 7-10.000 Zuschauer auf die Anlage bekommen, dafür werden wir noch einige Zeit brauchen. Das gilt übrigens auch für die Auswahl der Hallen für das Hallen Final Four. In Mannheim sind wir ja schon gewesen, danach ist keine Bewerbung des Mannheimer HC mehr eingegangen. Eine interessante Spielstätte Ist noch das Hockey Stadion in Berlin, da gibt es auch Tribünen, eine Austragung scheiterte aber bisher vor allem an den Terminen der Hockey Pro League. Vielleicht entsteht ja ein neues Hockey Stadion im Rahmen der Olympia Bewerbungen . . .

Frage 6: Ganz sicher ein großes Plus der LIGA – der Vertrag mit DYN. Toller Service. Leider fällt aber auch auf: volle Hallen beim Basket- und Handball – eher leere Ränge beim Hockey. Damit muss man wohl leben oder??

Das ist eines meiner Lieblingsthemen, das Du da ansprichst. Zunächst: Zusammenarbeit mit DYN Vor allem die Möglichkeit, als eine von fünf Sportarten auf einer gemeinsamen Plattform zu sein, bietet für den Hockey Sport in Deutschland große Chancen. Wir haben eine höhere mögliche Visibility, die Professionalität der Übertragung wird von Jahr zu Jahr besser, und auch die Zuschauerzahlen steigen. Dieses zeigen unsere Analysen und auch die Berichte, die wir von DYN erhalten. Zudem habe ich den Eindruck, dass nicht eingetreten ist, was der eine oder die andere befürchtet haben: es kommen weniger Zuschauer auf die Anlage und in die Hallen, weil es Übertragungen über Streaming Portale gibt. Sieht man ja auch in anderen Sportarten, die viel weiter sind als der Hockey Sport. Was ich weiterhin enttäuschend finde, ist, dass die Zuschauerzahlen auf der Anlage und in der Halle nicht signifikant steigen. Zudem gibt es ein zu grosses Gefälle zwischen den Zuschauerzahlen im Damen- und Herrenbereich. Hier sehe ich aber nicht die Hockey Liga gefordert, sondern die Vereine vor Ort. Ich kann nicht erkennen, dass die Vereine aus Spieltagen Events machen, die die Zuschauer zur Anlage bringen. Es wird genauso weiter gemacht wie in den Jahrzehnten zuvor – Nach dem Motto: das haben wir immer so gemacht. Deswegen kommt aber niemand, um ein Hockeyspiel anzuschauen, ausser den Familienangehörigen, den aktiven Spielerinnen und Spielern des jeweiligen Vereins und den Enthusiasten, die immer kommen. Die Übertragungen via DYN ermöglichen, dass immer mehr Menschen einen Bezug zum Hockey bekommen und feststellen, dass das ein ganz toller Sport ist. Der nächste Schritt ist, genau diese Menschen auf die Anlage zu bringen, und das gelingt leider zu wenig. Und genau hier ist der Austausch unter den Vereinen notwendig, nach Wegen zu suchen, die Zuschauer auf die Anlage zu bringen.

Frage 7: Zum Schluss muss die Frage sein, auch wenn die Fachkenntnisse vermutlich eingeschränkt sind. Du hast ja bei Deinem Heimatverein CHTC früher Linksaußen gespielt – von denen weiß man: spielst Du Linksaußen, bist Du bald draußen.

Jetzt möchte ich doch einmal wissen, wer Dir diese Informationen beigebracht hat. Ich habe nie links außen gespielt, ausser der Trainer wollte mich ruhig stellen. Als ich mit dem Hockeyspielen angefangen habe, hatte man einen Torwart, zwei Verteidiger, drei Läufer und fünf Stürmer! Das sollte heute mal jemand einem Trainer sagen. Ich wurde dank meiner technischen Mängel, aber läuferischen Qualitäten als rechter Läufer eingesetzt. Und das bin ich lange geblieben, war also der Wasserträger für die, die vorne glänzen wollten und konnten, bis mein damaliger Trainer beim ASV München feststellte, dass Erfahrung notwendig ist, um den gegnerischen Mittelstürmer auszuschalten. Ich mutierte zum Vorstopper. Es gibt einige sehr bekannte Hockeyspieler, die noch heute ihre blauen Flecken betrachten, die ich ihnen beigebracht habe.

Frage 8: Gut, zurück zur Frage: Du kannst aber jetzt das Vorurteil entkräften – auch der rechte Läufer galt wie der Linksaussen als Abschiebeposition und wurde sportlich mehr schlecht als recht nie ernst genommen: wer wird deutscher Meister bei Damen und Herren??

• Damen: Ich tippe auf die Filiale des CHTC aka Düsseldorfer HC, da spielen doch einige Leistungsträger, die beim CHTC ausgebildet worden sind
• Herren: Wieder nicht Polo, sondern Rotweiss Köln , auch wenn es mich als Krefelder schmerzt

Frage 9: Gibt es eine Frage, die Du vermisst hast und gerne beantwortet hättest???

Meine Meinung zum Hockey Sport in fünf Jahren? Wo stehen wir dort?

Das ist eine exzellente Frage (AdR: danke – klar, die selbst erfundenen Fragen sind natürlich immer exzellent…), die sehr schwierig in wenigen Sätzen zu beantworten ist. Ich bin davon überzeugt, dass in fünf Jahren kein Bundesliga Verein mehr auf eine signifikante finanzielle Unterstützung seiner Spielerinnen und Spieler wird verzichten können. Darauf können sich die Vereine heute schon einstellen und sich um ihre zukünftigen Budgets kümmern. Des Weiteren wird deutlich mehr Geld in das gesamte System fließen, als dass heute der Fall ist. Und das hat nicht nur etwas mit dem Liga Sponsor zu tun. Der wird einen wesentlichen Beitrag dazu leisten. Die Vermarktung und die Professionalisierung wird weiter vorangeschritten sein, und Hockey wird nicht nur auf den Streaming Plattformen, sondern auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sowie in den Social Media Kanälen deutlich präsenter sein. Auch die Vermarktung von Testimonials, also einzelnen Spielerinnen und Spielern, wird weiter voranschreiten. Ob es dann noch einen nachhaltigen Ligabetrieb auf dem Feld mit einer eingleisigen Bundesliga, die aus zwölf Mannschaften besteht, und einer zweigleisigen zweiten Bundesliga geben wird, vermag ich nicht zu prognostizieren. Am System des Hallenhockey wird sich nicht viel ändern. Darüber hinaus denke ich, dass die Vereine mehr und mehr Wert darauf legen, dass Hockey deutlich präsenter ist als nur in den heute zur Verfügung stehenden 18 / 19 Wochen. Das stellt eine Herausforderung für den Dachverband dar, auf internationaler Ebene seine Stimme zu erheben, ob Formate wie die Pro League wirklich den Hockey Sport voranbringen auf Kosten des Vereinssports. Die Belastung der Nationalspielerinnen und Nationalspieler ist heute schon sehr hoch. Und last but not least: in fünf Jahren sehe ich noch eine abgestimmtere Vorgehensweise in Bezug auf die Weiterentwicklung des Hockey Sports zwischen den Bundesligen und dem DHB und ein besseres Verständnis für die gegenseitigen Interessen. Möglicherweise sogar mit einer gemeinsamen Vermarktung des Hockey Sports in Deutschland.

Und doch noch eine Abschlussfrage: sehen wir Dich überhaupt in Bonn?? Wer den Freistaat Bayern verlässt, muss logischerweise ein Visum beantragen, wenn er in ein anderes Land reisen will. Die Bedingungen wurden ja von der Bundesregierung verschärft – da könnte ich mir bei Dir vorstellen, dass es da Probleme gab. Kannst Du uns mit guten Nachrichten beglücken??

Antwort: Ja, ich werde die Veranstaltung mit meiner Anwesenheit bereichern,  Im Rheinland  freuen sich die Menschen, wenn sie jemanden aus Bayern begrüßen können, damit er Ihnen erzählt, wie das geht, mit der Wirtschaft und so und der Zufriedenheit etc etc 

Joachim, danke für das interessante Interview. Vielleicht etwas lang, aber in Bayern dauert ja alles länger…

KaMi

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