Hockey: Interview mit Hockeyobmann Andi Busch zur Situation Hockeyabteilung

In der Hockeyabteilung tut sich gerade in der eigentlich ruhigen Zeit ganz viel. Daher haben wir mit Hockeyobmann Andi Busch ein Interview geführt.

F: Andi, zunächst: vielleicht kennt Dich noch nicht jeder und du stellst dich zur besseren Einordnung kurz vor.

A: Na klar! Für alle, die mich nicht kennen: Ich bin Andreas Busch, 39 Jahre alt, und im Prinzip seit Kindertagen im BTHV. Über meine Eltern, die beide auch aktiv im BTHV sind, bin ich damals -gemeinsam mit meiner Schwester und meinem Bruder- zum Hockey und Tennis gekommen. Irgendwann in der Jugend musste ich mich dann aus Zeitgründen entscheiden und habe den Fokus auf Hockey gelegt. Nach der Jugend habe ich dann lange bei den 1. Herren gespielt und bin irgendwann als deren Kapitän aufgelaufen. Nach studien- und berufsbedingten Vereinswechseln (SC Frankfurt 1880, Klipper THC Hamburg und Münchner SC) bin ich seit 2016 wieder zurück im Rheinland und beim BTHV. Zunächst habe ich nochmal sechs Jahre bei den 1. Herren gespielt, bevor ich im Sommer 2022 meine aktive Karriere beendet habe. Seit Herbst 2023 bin ich im Vorstand und spiele -wenn es meine Zeit zulässt- im BTHV noch Tennis. Ich bin verheiratet und habe zwei Töchter (die ältere ist fast 3 Jahre alt, die jüngere 4 Monate).

 F: Man erinnert sich ja gerne an den legendären Summer of Love 1967 in S.F. 2026 wird es für Anna und Dich wohl eher ein Summer of Lots of Work. Gerade prasselt auf Anna und Dich ganz viel ein. Aber der Reihe nach.

Es fing alles mit den 1. Herren im Juni an. Nach dem sicher nicht ganz unerwarteten Abstieg aus der 2. Bundesliga trennten sich Mannschaft und Trainer Matze Kress. Da musste ja schnell eine Lösung gefunden werden und wie geht es da weiter?? Auch die Regionalliga wird kein Spaziergang.

A: Momentan haben wir wirklich extrem viel Arbeit, nicht nur in der Hockeyabteilung, sondern auch im Gesamtvorstand. Unter anderem hatten wir in den letzten Wochen ja auch viel Austausch, um die kurzfristig zu beantwortenden Fragen im Bereich Investitionen zu besprechen, dann haben wir im Hockey erneut das Final Four um die Deutsche Meisterschaft ausgerichtet. Hier haben uns ja wieder sensationell viele Volunteers in der Woche vor dem Event und dem Finalwochenende unterstützt, denen ich von Herzen nochmal für ihren Einsatz danken möchte. Für das interne Kern-Team begann die Vorbereitung auf dieses Highlight sogar schon im Februar mit mindestens wöchentlichen Treffen und viel Organisation im Hintergrund.

Aber zurück zu deinem Stichwort 1. Herren: Der Abstieg war nach den vielen Abgängen im letzten Jahr und der herausfordernden Hinrunde sicherlich keine ganz große Überraschung. Die Entscheidung am Ende der Saison eine Veränderung herbeizuführen, hatte daher auch nicht unmittelbar mit dem Abstieg zu tun. Nach fünf -aus meiner Sicht- insgesamt erfolgreichen Jahren der 1. Herren mit Matze Kress haben wir in den letzten Monaten gewisse Abnutzungserscheinungen zwischen Mannschaft und Trainerteam festgestellt. Nachdem wir mit der Mannschaft und dem Trainerteam diverse Gespräche geführt haben, haben wir uns dann von Vereinsseite schweren Herzens dazu entschieden die Zusammenarbeit mit Matze bei den 1. Herren zu beenden. Diese Entscheidung ist uns wirklich sehr schwergefallen, weil es nicht viele Menschen gibt, die so viel Arbeit und Zeit in den BTHV investieren wie Matze. Wir haben uns nach langer Überlegung dann aber doch dazu entschieden, da es aus unserer Sicht für den Verein und hoffentlich auch für Matze die beste Lösung in der damaligen Situation war.

In der kommenden Regionalliga Saison wird die Mannschaft übergangsweise von Matthias Caspari betreut, der uns in dieser schwierigen Gemengelage erfreulicherweise gemeinsam mit Hendrik Paar und Alexander Terzis unterstützt. Die Saison wird mit Sicherheit nicht einfach aber zumindest haben wir in diesem Jahr nur vereinzelte Abgänge und ich sehe das kommende Jahr durchaus als Konsolidierungsjahr, in dem sich die Spieler des extrem starken 2009er Jahrgangs im Herrenhockey etablieren können. Zum Teil haben die Jungs in der letzten Rückrunde bereits 2. Bundesliga-Luft schnuppern dürfen, der Schritt aus der Jugend zu den Erwachsenen ist aber erfahrungsgemäß immer ein großer und nicht zu unterschätzen. Mittelfristig wünsche ich mir, dass wir uns auch mit den Herren wieder in der 2. Bundesliga etablieren.

F: Es stellte sich dann ja auch die Frage, wie geht es mit Matze Kress weiter. Gibt es da schon Neuigkeiten bzw. Ergebnisse??

A: Matze wird uns erfreulicherweise in der Jugend erhalten bleiben und weiterhin bei mehreren Jahrgängen als Jahrgangsbereichsleitung fungieren. Zusätzlich wird Matze auch die Aufgaben des Hockeybüros übernehmen. Hier kann er seine Stärken im Bereich Organisation und seine große und gute Vernetzung sowohl im Club als auch im WHV einbringen und somit einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung unserer Strukturen leisten. Matze soll uns in dieser Rolle unterstützen, um den Verein, die Mannschaften und unsere Trainer:innen nach vorne zu bringen.

F: Dann der nächste Hammer: die 1. Damen brauchen einen neuen Trainer – Jan Henseler ‚wechselt‘ als Trainer zum deutschen Meister Düsseldorfer HC, wozu man natürlich nur gratulieren kann. Bis zu Saisonbeginn ist es ja nicht mehr lange – kannst Du den Damen Hoffnung machen??

A: Auch wir gratulieren Jan herzlich zu dieser neuen Aufgabe, auch wenn sie für uns und unsere 1. Damen natürlich mit Herausforderungen verbunden ist. Wer mich kennt, weiß aber auch, dass ich fast immer versuche jeder Situation etwas Positives abzugewinnen und ich glaube, dass der Wechsel von Jan zum DHC für die 1. Damen und den Verein auch eine große Chance sein kann. Denn ein Trainerwechsel kann bestehende Strukturen und Dynamiken verändern, Spieler:innen in neue oder veränderte Rollen bringen und für eine Mannschaft wie ein Neuanfang wirken. Natürlich bedarf ein Trainerwechsel aber auch Zeit und ich appelliere an uns alle der neu entstehenden Konstellation aus Mannschaft und Trainer über die Vorbereitung hinaus die nötige Zeit zu geben sich aneinander zu gewöhnen.

Sehr erfreulich ist es, dass ich nicht nur den 1. Damen, sondern dem ganzen Verein Hoffnung machen kann. Wir stehen nämlich kurz vor Vertragsabschluss mit einem ab 15.8. verfügbaren Trainer, der somit unmittelbar zum Beginn der Vorbereitung sowohl für die 1. Damen als auch zur Verstärkung in der Jugend zur Verfügung stehen würde. Sobald alles in trockenen Tüchern ist, stellen wir ihn dann auch nochmal gesondert vor.

 F: Jan bleibt ja weiter Sportlicher Leiter Jugend im BTHV – laut Veröffentlichung auf der Website. Seien wir ehrlich und reden nicht um den heißen Brei rum: da stellen sich nicht nur mir Fragen. Es gibt eine alte Weisheit: Niemand kann zwei Herren dienen. Da kann man der Bibel nicht widersprechen. Einen deutschen Meister zu trainieren, macht man ja nicht nebenbei. Auch als Jungvater ist man sicher beschäftigt und bekanntlich wie auch sonst im Leben liegt Düsseldorf weit hinter Köln….:).  Mal von der derzeitigen Verkehrslage im Rheinland abgesehen… Der Tag hat ja nur 24 Stunden – daher ergibt sich aus der Weisheit auch immer: bei zwei Herren kommt immer einer zu kurz und es stellt sich die Frage: wie soll das funktionieren?? Und es gibt ja sicher in der Jugend ganz viel zu tun, was eigentlich nicht nur nebenbei geht…

A: Wir haben uns diese Frage auch gestellt, sind aber zu einem anderen Schluss gekommen als du. Natürlich kann es Herausforderungen geben, wenn jemand für zwei Vereine arbeitet, die zumindest in der Halle auch in der gleichen Liga spielen. Wir haben uns aber trotzdem entschieden Jan -mit reduzierter Stundenzahl- weiterhin als Sportlichen Leiter anzustellen, da wir in ihm einen extrem kompetenten und exzellent vernetzten Mitarbeiter sehen, der dem Verein an sehr vielen Stellen helfen kann. Die Fülle an möglichen Themen und Aufgaben ist sicherlich lang, daher sitzen wir als Hockeyvorstand aktuell mit Jan zusammen, um sein Aufgabenfeld genau festzulegen. Darin sehe ich übrigens auch die Möglichkeit das Modell mit Jan als Sportlichem Leiter erfolgreich zu gestalten. Wir brauchen eine klare Definition der Aufgaben, Zuständigkeiten und Anforderungen an den Sportlichen Leiter und müssen die Erfüllung dieser auch regelmäßig überprüfen.

F: Immerhin haben wir ja einen Neuzugang: mit Anna als Jugendwartin ist wem auch immer sicher ein Glücksgriff gelungen oder??

A: Die Zusammenarbeit mit Anna war in den letzten Wochen und Monaten extrem intensiv und es macht sehr viel Spaß gemeinsam zu schauen, wie wir die Hockeyabteilung weiter entwickeln können. Anna hat eine Mentalität Dinge einfach anzupacken, was mir meiner Meinung nach auch gut liegt. So versuchen wir gerade auf allen Ebenen aktiv zu gestalten, auch wenn uns in den letzten Monaten vielfach auch der Wunsch anderer nach beruflichen Veränderungen zu unmittelbaren Reaktionen gezwungen hat. Unser Ziel ist es aber eine Struktur in der Hockeyabteilung aufzubauen, mit klaren Prozessen, Verantwortlichkeiten und Aufgabengebieten. Obwohl wir im Hockey viele Menschen haben, die sich (ehrenamtlich) engagieren, ist es aktuell eine Herausforderung weitere Mitstreiter zu finden, die sich als Co-Trainer, Betreuer oder anderweitig unterstützend einbringen. Denn der Bedarf ist -in der sich insgesamt toll entwickelnden Hockeyabteilung- groß.

Eine genauso gute Zusammenarbeit hatte ich aber auch mit Annas Vorgänger Guido Becker, mit dem wir viele Dinge bewegt und in der Hockeyabteilung angestoßen haben. Ein großes Dankeschön auch nochmal an Guido für seinen jahrelangen Einsatz und die Tatsache, dass er uns in der Hockeyabteilung auch weiterhin tatkräftig unterstützt. 

F: Das gilt natürlich auch für Dich. Wobei mich immer erstaunt, was Du sonst noch so alles machst: Weihnachtsfeier, Sommerfest, Karnevalszug und ???. Bist Du als Obmann nicht ausgelastet??

A: Vielleicht ist meine größte Herausforderung in Bezug auf diese „Arbeitsbelastung“, dass ich den BTHV einfach liebe. Die Auslastung als Obmann ist aktuell wirklich extrem groß und ich bin meiner Familie sehr dankbar für das große Verständnis für mein Engagement im BTHV. Denn teilweise ist es aktuell wirklich schwierig die Vielzahl an Aufgaben als Obmann mit meinem Hauptjob und der Familie unter einen Hut zu bringen. Andererseits habe ich in meiner Zeit im BTHV so viele wunderbare Dinge erlebt und tiefe Freundschaften geschlossen, dass ich einfach etwas zurückgeben möchte. Und wenn ich ehrlich bin waren die einschneidendsten Erlebnisse trotz diverser Auf- und Abstiege und einiger knapper Klassenerhalte in meiner Spielerkarriere nicht die, die ich auf dem Platz erlebt habe, sondern Feiern und Veranstaltungen wie die von dir genannten Weihnachtsfeiern, Karnevalszüge und so weiter. Durch mein Engagement in diesem Bereich -insbesondere beim Karnevalszug- möchte ich sicherstellen, dass das auch die nachfolgenden Spielergenerationen so erleben können. Und die strahlenden Gesichter der Kinder und Jugendlichen im Zug und am Straßenrand zu sehen, entschädigt absolut für diesen Aufwand.

Nichtsdestotrotz habe ich aber auch festgestellt, dass der Zusatz-Aufwand durch solche Veranstaltungen bei mir aktuell zu groß ist, so dass ich bereits angekündigt habe die diesjährige Weihnachtsfeier nicht zu organisieren. Ich freue mich also, wenn jemand Interesse hat die Organisation zu übernehmen.

 F: Wie man hört, warst Du mit der Beteiligung beim Sommerfest nicht zufrieden??

A: Nicht zufrieden ist vielleicht das falsche Wort. Man kann und will den Leuten ja nicht vorschreiben, wie sie ihre sportfreien Wochenenden verbringen sollen und bei den vollen Terminkalendern kann ich es auch nachvollziehen, wenn man auch mal Zeit außerhalb des Clubs verbringen möchte. Insofern hinterfrage ich eher, ob sich der Aufwand der Organisation eines solchen Sommerfestes dann lohnt. Aber ich bin auch der Meinung, dass man Fehler in erster Linie bei sich selbst suchen sollte. Sicherlich war der Termin des Sommerfestes -außerhalb der Saison der 1. Hockeymannschaften- nicht ideal gewählt, wir wollten es aber auch nicht unmittelbar nach dem Final Four machen und hatten gehofft, dass der Spieltag der 1. Herren im Tennis als Zugpferd dienen könnte. Insofern würde ich es vielleicht anders formulieren als du und eher sagen, dass ich bei der Planung, Organisation und Beteiligung des Sommerfestes noch Potential nach oben sehe.

F: Um dich endlich zu erlösen, noch eine Abschlussfrage. Man muss wohl erstmal schlucken, wenn man alles liest und verarbeitet. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt: gibt es noch Hoffnung..?:)

A: Insgesamt blicke ich trotz der aktuell turbulenten Zeit mit vielen Veränderungen sehr positiv in die Zukunft der Hockeyabteilung. Wir haben sehr engagierte Spieler:innen, (Co-) Trainer:innen und Betreuer:innen. Ich finde es total erfreulich, dass wir sowohl in der Jugend als auch bei den Erwachsenen neben den 1. Mannschaften noch viele weitere ambitionierte Teams haben und dadurch sowohl den Leistungs- als auch den Breitensport bedienen.

Aufbauend auf dieser sehr guten Basis wollen wir in der Jugend mittelfristig wieder regelmäßig an WHV Meisterschaften teilnehmen und uns mit Damen und Herren in der Bundesliga etablieren. 

Andi, vielen Dank für das ausführliche Interview!!

KaMi

 

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