{"id":34503,"date":"2018-09-04T08:21:20","date_gmt":"2018-09-04T06:21:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bthv.de\/blog\/?p=34503"},"modified":"2018-09-04T08:21:20","modified_gmt":"2018-09-04T06:21:20","slug":"hockey-ueberfordert-an-allen-enden-ein-interview-ueber-die-konflikte-zwischen-den-vereinen-und-verband","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bthv.de\/blog\/hockey\/hockey-ueberfordert-an-allen-enden-ein-interview-ueber-die-konflikte-zwischen-den-vereinen-und-verband","title":{"rendered":"Hockey: \u00dcberfordert an allen Enden &#8211; ein Interview \u00fcber die Konflikte zwischen den Vereinen und Verband"},"content":{"rendered":"<p>Im Hamburger Abendblatt vom Samstag erschien ein bemerkenswertes Interview mit den Damentrainern des UHC Hamburg und Club an der Alster. Die Cheftrainer Claas Henkel (39\/UHC) und Jens George (49) \u00fcber die Zukunft ihres Sports. Im Focus die neue Hockey-Pro-League der FIH, die tiefgreifende Ver\u00e4nderungen im deutschen Spitzenhockey nach sich ziehen wird. Hier Ausz\u00fcge:<\/p>\n<p><em>\u00dcber die Qualit\u00e4t der Liga gibt es seit Jahren Diskussionen. Nun hat Bundestrainer Xavier Reckinger diese angefacht, als er nach dem Viertelfinalaus der deutschen Damen bei der WM in London Anfang August sagte, selbst den Nationalspielerinnen fehle es an technischen Fertigkeiten. Wie kommt so etwas bei Ihnen an?<\/em><\/p>\n<p><strong>George:<\/strong> Wir sa\u00dfen vor zwei Wochen mit den Trainern aller Topvereine zusammen, und alle waren nicht gerade begeistert von den Aussagen. Die technische Ausbildung in der Bundesliga ist sehr gut, viele Nationen beneiden uns darum. Wir sollten unsere St\u00e4rken nicht selber schlechtreden.<\/p>\n<p><strong>Henkel:<\/strong> Es ist der uralte Reflex, die Qualit\u00e4t der Liga zu beklagen, wenn im Nationalteam etwas schiefl\u00e4uft. Das ist verst\u00e4ndlich, aber genauso wenig zielf\u00fchrend wie der immer wieder angef\u00fchrte Vergleich mit dem Ausland. Wir w\u00e4ren alle gut beraten, wenn wir akzeptieren w\u00fcrden, dass Deutschland seinen eigenen Weg des dualen Modells aus Ausbildung und Leistungssport geht. Daraus das Beste zu machen, das ist die Aufgabe aller, die im Hockey t\u00e4tig sind.<!--more--><\/p>\n<p><em>Reckinger sagt, er brauche deutlich mehr Zeit f\u00fcr gemeinsames Training mit den Nationalspielerinnen. Daf\u00fcr jedoch braucht es eine Zentralisierung, die mit einer Professionalisierung, sprich einer Bezahlung der Spielerinnen, einhergehen m\u00fcsste. Muss Hockey-Deutschland diesen Weg gehen, um konkurrenzf\u00e4hig zu bleiben?<\/em><\/p>\n<p><strong>Henkel:<\/strong> Die Frage ist, welches System wir wollen. Die Niederlande sind die gro\u00dfe Ausnahme, weil sie als kleines Land die Zentralisierung umsetzen k\u00f6nnen und dennoch, weil Hockey Nationalsport ist und es potente Sponsoren gibt, das Ligasystem stark ist. Alle anderen haben kein funktionierendes Vereinswesen, das bei uns aber die Grundlage ist und auch bleiben sollte.<\/p>\n<p><em>Die F\u00fchrung des Deutschen Hockey-Bunds (DHB) scheint das nicht so zu sehen. F\u00fcr die vom Weltverband ab Januar 2019 eingef\u00fchrte Hockey Pro League (HPL) sollen die Ligen verkleinert oder den Auswahlspielern die Teilnahme an der Hallen-Bundesliga verwehrt werden. Ziehen im deutschen Hockey wirklich alle an einem Strang?<\/em><\/p>\n<p><strong>Henkel:<\/strong> Nein, und das ist das gro\u00dfe Problem. Die gute Kommunikation mit dem Bundestrainer ist \u00fcberlagert vom Verh\u00e4ltnis zwischen Verband und Vereinen. Reckinger wei\u00df, dass die Abstellung aller Nationalspielerinnen f\u00fcr jedes HPL-Spiel weder notwendig noch praktikabel ist. Ein Beispiel: Alster und wir spielen \u00fcber Ostern im Feld-Europacup, das ist f\u00fcr alle das absolute Highlight. Nach Ostern sind aber vier HPL-Spiele angesetzt. Keine Nationalspielerin wird dieses Programm durchziehen, und der Bundestrainer wei\u00df das. Aber er darf es nicht offen sagen, weil der DHB die HPL als absolutes Highlight deklariert.<\/p>\n<p><em>Das muss er aber doch, schlie\u00dflich fordert der Weltverband dauerhafte TV-Pr\u00e4senz, Austragungsorte mit mindestens 5000 Zuschauern und zwei Dritteln \u00fcberdachten Sitzpl\u00e4tzen. Daf\u00fcr muss man Sponsoren finden, und die wollen ein Spitzenprodukt.<\/em><\/p>\n<p><strong>Henkel:<\/strong> Genau das ist der Geburtsfehler. Geplant war eine Profiliga, f\u00fcr die aber leider kein Geld da ist. Was bleibt, ist \u00dcberforderung an allen Enden. Ich werfe das niemandem vor, aber gerade dann w\u00e4re es wichtig, dass alle zusammen versuchen, Kompromisse zu finden, anstatt immer neue Grabenk\u00e4mpfe auszufechten. Es wird nicht die Superl\u00f6sung geben, aber alles auf die HPL auszurichten kann nicht der richtige Weg sein. Wir brauchen mehr Ehrlichkeit in dieser Diskussion.<\/p>\n<p><em>Was genau fehlt Ihnen denn?<\/em><\/p>\n<p><strong>George:<\/strong> Ein Beispiel aus unserer Praxis: Wir richten im Februar den Hallen-Europapokal aus. Nat\u00fcrlich ist es f\u00fcr unseren Verein sehr wichtig, dass wir dann unsere besten Spielerinnen aufbieten. Zu der Zeit allerdings ist die Nationalmannschaft in der HPL in Neuseeland, Australien und Argentinien unterwegs. Wenn ich daf\u00fcr alle meine Auswahlspielerinnen abstellen muss, geht das voll zulasten des Vereins. Das kann es nicht sein.<\/p>\n<p><strong>Henkel:<\/strong> Vor allem st\u00f6rt mich, dass nicht ehrlich kommunziert wird, dass die HPL, bei der es au\u00dfer Punkten f\u00fcr die Weltrangliste nichts zu gewinnen gibt, in Wahrheit nur eine gro\u00dfartige Vorbereitung auf die beiden wirklich wichtigen Termine f\u00fcr die Nationalmannschaft ist. Das sind die EM im August und die Olympiaqualifikation Anfang November, die man sich sogar spart, wenn man Europameister wird. Zur Olympiaqualifikation treten die besten zw\u00f6lf Teams der Weltrangliste an, die nicht Kontinentalmeister sind, und spielen in sechs Duellen die sechs noch freien Pl\u00e4tze f\u00fcr Tokio 2020 aus. Die besten sechs haben sogar zweimal Heimrecht. Das hei\u00dft, dass sich Deutschland in zwei Heimspielen gegen einen Gegner aus der Kategorie Italien behaupten m\u00fcsste. Bei allem Respekt: Das sollte machbar sein. Und daf\u00fcr soll ein funktionierendes System \u00fcber den Haufen geworfen werden?<\/p>\n<p><em>Warum nimmt Deutschland dann \u00fcberhaupt an der HPL teil?<\/em><\/p>\n<p><strong>Henkel:<\/strong> Weil die Olympiaqualifikation sonst etwas komplizierter werden w\u00fcrde, da dann drohen k\u00f6nnte, in der Weltrangliste so zur\u00fcckzufallen, dass man in den Qualifikationsspielen zweimal ausw\u00e4rts gegen einen st\u00e4rkeren Gegner spielen m\u00fcsste. Und weil es ums Prestige geht. Ich kann das verstehen und stehe auch grunds\u00e4tzlich hinter der Teilnahme. Aber man soll ehrlich sein und sagen, dass es nicht so wichtig ist, dass man in jedem Spiel die Topspielerinnen braucht. Am Ende droht sonst das, was eigentlich alle verhindern wollen: dass die Spielerinnen zerrissen werden zwischen dem Pflichtgef\u00fchl ihren Vereinen gegen\u00fcber und der Pflicht, die ihnen der Verband auferlegt. Diese Einsicht fehlt mir im Verband. Wir brauchen endlich Faktenklarheit.<\/p>\n<p><em>Wenn der Verband seine Pl\u00e4ne so durchzieht wie angek\u00fcndigt: Welche Konsequenzen f\u00fcrchten Sie dann?<\/em><\/p>\n<p><strong>George:<\/strong> Ich f\u00fcrchte, dass die Spielerinnen dann noch fr\u00fcher ihre Karrieren beenden, als es jetzt schon der Fall ist. Diese Belastung kann man nur wenige Jahre durchhalten.<\/p>\n<p><strong>Henkel:<\/strong> Ohne die \u00dcberlastung der Auswahlspielerinnen kleinzureden, wird mir zu wenig \u00fcber das Problem gesprochen, dass die meisten Vereine, die gar keine Nationalspielerinnen stellen, schon jetzt nur \u00fcber wenige Monate im Jahr Bundesligahockey anbieten k\u00f6nnen. Verkleinerte man die Liga, w\u00fcrde es perspektivisch noch mehr wei\u00dfe Flecken in Deutschland geben, und das k\u00f6nnen wir uns einfach nicht erlauben, weil wir perspektivisch mehr Talente brauchen, um unseren Platz in der Weltspitze zu behaupten.<\/p>\n<p>\u00a9 Hamburger Abendblatt 2018 \u2013 Alle Rechte vorbehalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Hamburger Abendblatt vom Samstag erschien ein bemerkenswertes Interview mit den Damentrainern des UHC Hamburg und Club an der Alster. Die Cheftrainer Claas Henkel (39\/UHC) und Jens George (49) \u00fcber die Zukunft ihres Sports. 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